Kurzbeschreibung - checklistenartige Identifikation typischer Problem- und Risikokonstellationen, beschreibt Schwierigkeiten, Störungen oder Risiken, welche für die weitere Behandlungsplanung und den weiteren Behandlungsverlauf von Bedeutung sein können​, für den Einsatz in der Arztpraxis und im Krankenhaus entwickelt und geeignet

​Durchführung - Befragung und Ausführung kleiner Aufgaben

​Interpretation - Summe der auffälligen Items ermöglicht einen orientierenden Eindruck über das Ausmaß begleitender Problembereiche, auffällige Bereiche bedürfen der weiteren Analyse unter Erhebung zusätzlicher Informationen und ggf. Einsatz differenzierterer Assessmentinstrumente, eine erste näherungsweise Interpretation setzt die Vorlage der Einzelitemdokumentation und als erste Orientierung deren Korrelation zu den dokumentierten Diagnosen voraus

Zeitbedarf​ - ​je nach Kooperationsfähigkeit des Patienten ca. 5-12 Min.

Vorzüge - keine wesentliche Ausrüstung erforderlich, kein wesentlicher Schulungsaufwand, keine spezifischen beruflichen Qualifikationen erforderlich, rasche orientierende Übersicht über potenziell relevante Problembereiche

​Einschränkungen - nur dichotome Grobaussagen (Auffälligkeit liegt vor oder nicht), Ausprägungsgrade von Störungen oder Einschränkungen können nicht erfasst werden, keine Aussage zu Akuität oder Prognose der Störungen, keine Aussage zu etwaig bereits erfolgten Vorbehandlungen, also der Frage, ob es sich schon um das Ergebnis eines entsprechenden therapeutischen Vorgehens oder um ein bisher nicht abgeklärtes / therapiertes Problem handelt, die Ergebnise lassen hinsichtlich Ursachen und Behandlungskonsequenzen ein breites Feld von Möglichkeiten offen, die einer weiterführenden Analyse bedürfen, keine definierten Cut-off-Werte, die bestimmte Risikogruppen voneinander abgrenzen

Erstveröffentlichung - Lachs MS, Feinstein AR, Cooney LM, Jr., Drickamer MA, Marottoli RA, Pannill FC et al. A simple procedure for general screening for functional disability in elderly patients. Ann Intern Med 1990;112:699-706

weitere Literatur - von Renteln-Kruse W, Ebert D. Merkmale hospitalisierter geriatrischer Patienten - zwei Kohorten im Vergleich unter Verwendung des Screenings der Arbeitsgemeinschaft Geriatrisches Basisassessment (AGAST). Z Gerontol Geriatr 2003;36:223-232

​Instrument

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​Kurzbeschreibung - Screeninginstrument zur Identifizierung älterer Risikopatienten und -patientinnen bei Krankenhausaufnahme
Durchführung - Patienten/Patientinnen oder ihren Bezugspersonen werden sechs dichotom zu beantwortende (Ja/Nein) Fragen gestellt (bisheriger Hilfebedarf, dessen akute Veränderung in den letzten 24 Stunden, Krankenhaus-Voraufenthalte in den letzten 6 Monaten, Einschränkungen der Sehfähigkeit, kognitive Einschränkungen und mehr als sechs regelmäßig einzunehmende Medikamente). Die Antworten mit "Ja" werden gezählt.
Interpretation - Ein bei 2 oder mehr Punkten positives Testergebnis weist auf ein erhöhtes Risiko für Mortalität, Wiederaufnahme, stationäre Pflegbedürftigkeit oder zukünftige funktionelle Einschränkungen hin. Singler et al. empfehlen in einer Studie im deutschen Versorgungssetting zur Erhöhung der Spezifität einen Cut Off von 3 statt 2 Punkten.
Zeitbedarf - geringer Zeitaufwand, unter 5 Minuten

Vorzüge - ​Leicht erlernbar, schnell durchführbar, keine Vorkenntnisse oder spezifisches Testmaterial erforderlich.
Der Validierung dieses Instruments lagen patientenrelevante Endpunkte zu Grunde: Mortalität, Krankenhauswiederaufnahme, stationäre Pflegebedürftigkeit und Verlust funktioneller Fähigkeiten.

Einschränkungen - Es existieren unterschiedliche Altersgrenzen bei der Anwendung in der Notaufnahme: ≥ 65 Jahre (McCusker et al.), ≥ 70 Jahre (Pressemeldung der DGG), ≥ 75 Jahre (Thiem et al., Singler et al.)

Es existieren ebenfalls unterschiedliche Empfehlungen zum Cut-Off Wert: McCusker 2, Singler 3.

Dem Screening liegt ein Identifikationskonzept zugrunde, das den Definitionen der Fachgesellschaften DGG und DGGG sowie der GKV nur in wenigen Kriterien entspricht.

Im internationalen Studienvergleich fanden sich uneinheitliche Ergebnisse zu Sensitivität und Spezifität. Bisher liegt lediglich eine deutsche Validierungsstudie (Singler et al.) vor. Bei einem Alter ≥ 75 und einem Cut Off bei 3 Punkten zeigten sich eine mäßige Sensitivität (73,8%) und geringe Spezifität (52,7%).

Erstveröffentlichung - McCusker J, Bellavance F, Cardin S et al. (1999) Detection of older people at increased risk of adverse health outcomes after an emergency visit: the ISAR screening tool. J. Am. Geriatr. Soc 47:1229-123

weitere Publikationen - Thiem U, Greuel HW, Reingraber A et al. (2012) Positionspapier zur Identifizierung geriatrischer Patienten in Notaufnahmen in Deutschland. Z Gerontol Geriatr 45:310-314

Singler K, Heppner HJ, Skutetzky A et al. (2014) Predictive validity of the identification of seniors at risk screening tool in a german emergency department setting. Gerontology 60:413-419

Thiem U, Heppner HJ, Singler K (2015) Instruments to identify elderly patients in the emergency department in need of geriatric care. Z Gerontol Geriatr 48:4-9

Kurzbeschreibung - Screeninginstrument zur Identifizierung geriatrischer Patienten und Patientinnen

​Durchführung - Der Geriatrie-Check Baden-Württemberg wird meist im Rahmen der Aufnahme im Krankenhaus eingesetzt.

Die Identifikation geriatrischer Patientinnen und Patienten erfolgt durch Bearbeitung der Bereiche A und B:
Bereich A erfasst objektive Kriterien (Alter ≥ 85 Jahre, bestehender Pflegegrad, stationäre Pflege und bekannte Demenz).
Bereich B erfasst die subjektive Einschätzung des Patienten/der Patientin oder seiner/ihrer Bezugsperson zu möglichen schon vor dem aktuellen Krankenhausaufenthalt bestehenden Beeinträchtigungen in der Mobilität, Selbständigkeit, Kognition, Psyche. Vorgehende Krankenhausaufenthalte werden ergänzend erhoben. Bei Auffälligkeiten im Bereich A kann Bereich B entfallen. Die Bereiche A und B können von Ärztinnen/Ärzten, Pflegefachkräften oder anderem medizinischen Fachpersonal durchgeführt werden.

In einem zusätzlichen Bereich sind für identifizierte geriatrische Patientinnen und Patienten Empfehlungen für die weitere Abklärung und Versorgung abzugeben (z.B. geriatrisches Konsil, Aufnahme auf einer Akutgeriatrie). Dieser Teil ist ärztliche Aufgabe und kann krankenhausindividuell angepasst werden.

Interpretation - Bereich A: ≥1 Kriterium mit „ja“ beantwortet: wahrscheinlich ist von einem geriatrischen Patienten/einer geriatrische Patientin auszugehen.

Bereich B: ≥2 Kriterien mit „ja“ beantwortet: wahrscheinlich ist von einem geriatrischen Patienten/einer geriatrische Patientin auszugehen.

Für identifizierte geriatrische Patientinnen und Patienten werden Empfehlungen für die Weiterversorgung abgegeben. Basis ist eine individuelle ärztliche Einschätzung.

Zeitbedarf - geringer Zeitaufwand, unter 5 Minuten

Vorzüge - Leicht erlernbar, keine Vorkenntnisse erforderlich, kein Materialeinsatz notwendig, schnell durchführbar.

In zwei Validierungsstudien wurde für die Identifikation geriatrischer Patientinnen und Patienten eine hohe Sensitivität bei geringer Spezifität ermittelt.

Einschränkungen - Dem Screening liegt ein landesspezifisches Identifikationskonzept zugrunde, das den Definitionen der Fachgesellschaften DGG und DGGG sowie der GKV nicht in allen Kriterien entspricht. 
Erstveröffentlichung - Im Internet: https://www.bwkg.dezuletzt aufgerufen am 19.06.2020.

weitere Publikationen - Gerhard T, Mayer K, Braisch U, Dallmeier D, Jamour M, Klaus J et al. Validierung des Geriatrie-Checks zur Identifikation geriatrischer Patienten in der Notaufnahme. Z Gerontol Geriatr 2020;           

Hobert MA, Bernhard FP, Bettecken K, Sartor J, Maetzler W, Jamour M. Validierung des Geriatrie-Checks in einer Kohorte von stationären neurologischen Patienten. Z Gerontol Geriatr 2019;52(2):172-178.

​Instrument

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Kurzbeschreibung - Screeninginstrument zur Identifizierung geriatrischer Patienten bei Klinikaufnahme.
Es wurde von der ärztlichen Arbeitsgemeinschaft zur Förderung der Geriatrie in Bayern (AFGiB) für die Anwendung im Fachprogramm Akutgeriatrie in Bayern entwickelt.

​Durchführung - Patienten/Patientinnen im Alter von mindestens 70 Jahren werden in vier Bereichen untersucht. 

Auffälligkeiten in den Bereichen Alter, Mobilitätseinschränkung und Pflegebedürftigkeit generieren je Bereich max. einen Punkt. Im Bereich geriatrietypische Multimorbidität sind anhand eines Kataloges zu erfassende Krankheitsbilder in drei Gruppen eingeteilt. Hier generieren auffällige Befunde max. einen Punkt je Gruppe. 

Daraus resultiert eine Gesamtpunktzahl von maximal 6 erreichbaren Punkten.

Interpretation - Bei zwei oder mehr Punkten ist ein geriatrisches Assessment durchzuführen und/oder ein geriatrisches Konsil einzuholen.
​Zeitbedarf - geringer Zeitaufwand, unter 5 Minuten

Vorzüge - Leicht erlernbar, keine Vorkenntnisse erforderlich, kein Materialeinsatz notwendig, schnell durchführbar.

Die im geriatrischen Screening bei Klinikaufnahme erfragten Kriterien (Lebensalter und Multimorbidität) entsprechen weitgehend den Definitionskriterien der Fachgesellschaften DGG und DGGG sowie der GKV.

Einschränkungen - Ergebnisse aus Validierungsstudien wurden bisher nicht veröffentlicht.

Es liegen keine Aussagen vor, ob und ggf. welche professionelle Qualifikationen für die Erhebung vorausgesetzt werden.

Erstveröffentlichung - Bisher wurde keine Validierungsstudie der Testgütekriterien veröffentlicht.
weitere Publikationen -

​Instrument

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